Ein wundervolles Buch über das schönste im Leben – die Liebe

Allgemeines/Grundthese: Die Autorin wagt eine integrale Sicht auf das älteste Thema der Menschheit: die Liebe. Sie folgt damit den Traditionen der deutschen Aufklärung: Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Nehme alle Seiten deines ICHs an, die aufbauenden und die zerstörerischen Kräfte. In diesem Spannungsfeld ist die Studentin Yasmin hin und hergerissen und kann sich nur Schritt für Schritt von ihren Ängsten und den gelernten Rollen befreien. Sie schafft es, sich ihrer Schattenseiten bewusst zu werden und sie in ihre Persönlichkeit zu integrieren. So stehen ihr die vormals destruktiven Aspekte als schöpferische und kraftvolle Ressourcen zur Verfügung. An ihrer Seite als unterstützende Kraft ist Enrico, der ältere und erfahrene Mann, der sie liebt, der ihr den Raum lässt, sich zu entwickeln und der den Seitensprung mit Samir verzeihen kann. Samir, der Liebhaber für eine Nacht und Kindsvater, scheint dagegen nur zufällig in Yasmins Leben getreten zu sein. Er will das Kind nicht und spricht von Ehre, die die Frau verliert, wenn sie unverheiratet ein Kind bekommt.

 

Aufbereitung des Themas: Dieses außergewöhnliche Buch will man gar nicht mehr aus der Hand legen. Einmal angefangen zu lesen, fällt man immer tiefer in das Seelenleben der Hauptfigur. Yasmins Geschichte erzählt, wie es der jungen Studentin gelingt, ein „Ja“ für ihr eigenes Hin- und Hergerissen sein und für ihr Kind zu finden. Sie lernt unter der wunderbaren Anleitung der Schwester Lucida, die weder bewertet, noch beurteilt, ihren eigenen inneren Kräften zu vertrauen und ihre Gefühle zu verstehen, zu zulassen und einzuordnen. In einem Gespräch mit ihrer noch ungeborenen Tochter sagt Yasmin: „Ich weiß nicht, wie das ist, Mama zu sein, bisher war ich Tochter. Sei geduldig mit mir, ich werde es lernen, da bin ich ganz sicher. Es kommt mir vor wie ein Abenteuer, Dich hier zu begrüßen, Dir alles zu zeigen, was es zu entdecken gilt. Du kennst ja diesen Planeten nicht. Alles ist neu für Dich. Ich freu mich so auf Dein Kommen. Das war nicht immer so. Erst musste ich einen langen Weg gehen, durch meine Zweifel, meine Unsicherheit und Angst. Eines Tages dann war es gut, einfach gut, und ich konnte mein Herz und meinen Bauch für Dich öffnen. Tut mir einfach leid, sicher war das am Anfang schwer für Dich, wo Du gar nicht wusstest, kann ich bleiben oder muss ich gehen.“

 

Struktur: Die Spannung des Romans baut sich über die Widersprüche des Lebens auf: Licht und Schatten, Freude und Leid, Vernunft und Leidenschaft, Jung und Alt, Leben und Tod. Die Autorin führt eine vierte Romanfigur als Bild der Ganzheit in die Dreieckgeschichte ein. Klosterschwester Lucida ist mehr als nur ein Beobachter, der aus der „Adlerperspektive“ die Widersprüche, die in Yasmin gegeneinander kämpfen, sichtbar macht. Sie unterstützt die junge Frau, die eigene Landkarte der Seele lesen zu lernen. Erst am Ende des Romas erkennt Yasmin, das Alles mit Allem zusammenhängt, nichts ist rein zufällig und auch ihre Liebe zum afrikanischen Kontinent, wo der Vater ihres Kindes seine Wurzeln hat, folgt einer tieferen Entsprechung.

 

Sprache/Duktus: Wer Poesie und Romantik liebt, liegt mit diesem Buch goldrichtig.

 

Zusammenfassend: Theresia Maria Wuttke greift in ihrem Werk Yasmin und die Liebe ein Thema auf, dem sich viele Frauen weltweit stellen müssen. Nicht jeder von ihnen ist soviel Glück beschieden, wie der Protagonistin Yasmin, der neben der Nonne Lucida gleich zwei Männer zur Seite stehen, der Kindsvater und ihr Liebhaber.

Dieser Roman um Liebe und Erotik, Hingabe und Auflehnung, Selbstfindung und Spiritualität versteht sich als eine phantasievolle Fabel für Erwachsene.

 

von Lutz Deckwerth